Pastoren

Ole Schumann

Interview

Ole, dein Beruf ist Gemeindepastor. Beruf impliziert Berufung. Wie und wann hast du gemerkt, dass Pastor deine Berufung ist?
Das erste Mal, dass ich mit dieser Berufung in Berührung kam, war im Teenageralter. Ich war damals mit meiner Schulklasse im BIZ (BerufsInformationsZentrum). Es gab dort einen Computertest, der anhand verschiedener Fragen ermittelt, welcher Beruf zu einem passt. Ich habe diesen Test sehr gewissenhaft durchgeführt und die beiden ersten vorgeschlagenen Berufe waren katholischer Pfarrer und evangelischer Pfarrer.

Damals habe ich über dieses Ergebnis gelacht. Heute muss ich zugeben, dass dieses Programm gar nicht so schlecht ist. Dass Pastor tatsächlich meine Berufung ist, habe ich erst deutlich später verstanden. Ich habe mich nach einer längeren Zeit, in der ich ohne Gott lebte, im Alter von 21 Jahren neu für ein Leben mit Gott entschieden. Mir war klar, dass wenn ich mich neu für Gott entscheide, ich ihm auch mein ganzes Leben zur Verfügung stellen will. Mit dieser bewussten Entscheidung wuchs die innere Gewissheit, dass Gott mich als Pastor gebrauchen möchte. Diese Gewissheit habe ich bis heute.

Was macht dir am meisten Freude im „Arbeitsalltag“ und was ärgert dich mehr als alles andere?
Am meisten Freude macht es mir, mit einem motivierten Team kreativ zu überlegen, wie man Gemeinde so gestalten kann, dass es zeitgemäß ist und Menschen anspricht, die mit dem Glauben an Jesus Christus noch nichts am Hut haben. Am schönsten ist, wenn diese Überlegungen dann auch in die Tat umgesetzt werden.

Besonders ärgert mich, wenn ich meine Zeit schlecht einteile und den Aufgaben und Verpflichtungen hinterherhechle.

Wie sieht deine Traumgemeinde aus?
In meiner Traumgemeinde erlebt jeder, der mit der Gemeinde in Berührung kommt, dass Gott real ist und dass es sich lohnt an ihn zu glauben. Jeder versteht, dass Gott eine Beziehung zu uns haben möchte, in der es darum geht, von Gott geliebt zu werden und ihn immer mehr zu lieben.

In meiner Traumgemeinde erlebt jeder, auch jeder Gast, dass die Gemeinschaft der Kinder Gottes Familie bedeutet. Keiner wird ausgegrenzt oder schief angeguckt. Jeder fühlt sich zuhause.

In meiner Traumgemeinde ist niemand passiv, sondern jeder bringt sich mit den Gaben ein, die Gott ihm gegeben hat – nicht aus Zwang, sondern weil es Freude macht, für Gott zu arbeiten.
Und schließlich ist meine Traumgemeinde eine Gemeinde, die mit ganzer Kraft, mit ganz viel Leidenschaft und mit viel Kreativität dafür arbeitet, dass Menschen, die Jesus Christus noch nicht kennen, von ihm hören und mit ihm in Berührung kommen.

 

Einer deiner Dienstschwerpunkte ist die „junge Gemeinde“. Was bedeutet „junge Gemeinde“ und warum braucht sie einen eigenen Pastor?
Zum Bereich „junge Gemeinde“ zählen alle jungen Menschen, die zur Gemeinde gehören oder vielleicht mal zur Gemeinde gehören werden. Bis wann man ein „junger“ Mensch ist, wurde nicht wirklich festgelegt, aber der Treff der jungen Erwachsenen, der „Open Windows“, lädt Menschen bis zum Alter von 43 Jahren ein. Also sage ich mal: alle zwischen 0 und 43 Jahren zählen zur jungen Gemeinde.

Es ist nun nicht so, dass die junge Gemeinde einen eigenen Pastor bekommt. Pastor ist man nach meinem Verständnis immer für die ganze Gemeinde. Aber es ist gut und wichtig, dass ich schwerpunktmäßig mit der jungen Gemeine arbeiten darf. Jede Generation lebt Glauben anders. Das zeigt sich an ganz unterschiedlichen Dingen: an der Sprache, am Frömmigkeitsstil, am Musikgeschmack, an den Bedürfnissen, an den unterschiedlichen Fragen an das Leben. Als Pastor, der für die junge Gemeinde verantwortlich ist, verstehe ich meine Aufgabe darin, junge Menschen in ihrem Leben mit Jesus zu begleiten und ihnen einen Raum in der Gemeinde zu geben, wo sie ihren Glauben auf ihre Weise leben und ausdrücken können.

Nenne drei Dinge, die für die Arbeit mit jungen Menschen wichtig sind!
Begegnung: Das meine ich in zweifacher Weise. Es ist wichtig, dass man einander begegnet, gemeinsam Glauben lebt, besondere Dinge erlebt, einander zuhört, füreinander da ist und auch Teile des Alltags miteinander verbringt. Zum anderen braucht es Räume in denen man Gott begegnen kann. Ich glaube, es genügt nicht, Dinge über Gott zu hören oder zu wissen. Eine Beziehung zu Gott kann erst dann entstehen und wachsen, wenn der Glaube zu einer persönlich erlebten Wahrheit wird.

Kreativität: Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass man Gemeindeangebote für junge Menschen abwechslungsreich und kreativ gestaltet. Das muss nicht immer die eigene Kreativität sein. Junge Menschen wollen selbst mitgestalten, sich ausprobieren und Dinge anders machen.

Spaß: Ich begegne manchmal dem Gerücht, dass Glaube etwas Ernstes, Bedächtiges sei. Meiner Meinung nach stimmt das so nicht. Natürlich gibt es ernste und bedächtige Momente im Glauben. Ich denke aber, dass man genauso viel Spaß am Glauben und an der Gemeinde haben darf und auch soll. Wenn Menschen Gemeinde langweilig finden, dann läuft etwas falsch.

Auch Pastoren haben ja Zeiten, in denen sie nicht arbeiten. Was ist deine liebste Freizeitbeschäftigung?
Das kann ich gar nicht auf eine Sache beschränken. Als erstes ist mir natürlich die Zeit mit der Familie wichtig. Die Zeit gestalte ich am liebsten abwechslungsreich: Eisessen, an den Strand, mit meiner Tochter auf den Spielplatz, Shoppen, auf dem Sofa vor einem guten Film oder einer Serie...
Die Zeit mit meinen Freunden ist natürlich auch wichtig. Da gehören FIFA-Abende und Angeltouren im Kanu auf jeden Fall zu den Highlights.
Wenn ich dann noch Zeit für ein bisschen Fitness habe, ist das super.