Pastoren

Volkmar Glöckner

Steckbrief

  • Volkmar Glöckner, Jahrgang 1958, aufgewachsen in Neustadt/Holstein.
  • Abitur 1976, 1977 - 1982 Theologiestudium in Hamburg.
  • Verheiratet, drei erwachsene Kinder, zwei Schwiegerkinder, vier Enkelkinder.
  • Pastorendienst von 1982 - 1989 in Bremen, von 1989 - 1996 in Bad Segeberg,
    von 1996 - 2009 in Rostock und Bad Doberan, seit 2010 Pastor der Friedenskirche Lübeck.
  • Seit über 45 Jahren schreibt er Lieder, Texte, Gebete.
  • 1986 Cassetten-Produktion "Ich weiß, ich bin reich",
  • 1994 CD / MC Produktion "Kleine Blume im Asphalt",
  • 2007 CD Produktion „Was ist der Mensch“.

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Weil Gott liebe ist
Volkmar Glöckner
Weil Gott Liebe ist - Volkmar Glöckner.m
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Jesus im Mittelpunkt
Volkmar Glöckner
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Herausgegeben von der Onken Stiftung.

Interview

Volkmar, dein Beruf ist Gemeindepastor. Beruf impliziert Berufung. Wie und wann hast du bemerkt, dass Pastor deine Berufung ist? Ich hatte schon als Kind eine sehr emotionale und tiefe Gottesbeziehung. Als ich mich mit 10 Jahren dazu entschied, mich auf das Bekenntnis meines Glaubens an Jesus Christus taufen zu lassen, bekam ich als Leitvers das Wort aus Psalm 51, 17: „Herr, tu meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige!“ Gleichzeitig sagte mein damaliger Pastor halb scherzhaft: „Du wirst mal mein Nachfolger.“ In meinem Kinderherzen war da längst der Wunsch gepflanzt, einmal Pastor oder Missionar zu werden. Als es kurz vor dem Abitur dann um die Entscheidung für eine Berufsausbildung ging, war dieser Kindheitswunsch immer noch lebendig und hatte inzwischen schon einige erwachsenere Bestätigungen erfahren, so dass ich mich zum Theologiestudium anmeldete. Dass mein Beruf wirklich meine Berufung ist, erlebe ich nun seit fast 39 Jahren. Als Pastor in einer Gemeinde zu arbeiten ist immer noch genau das, was ich machen will.

Was macht dir am meisten Freude im „Arbeitsalltag“ und was ärgert dich mehr als alles andere?Das Schönste ist, mit Menschen zu reden, die eine echte Sehnsucht haben, Gott kennenzulernen, und ihnen von Jesus zu erzählen. Dann mitzuerleben, wie sie vielleicht zum ersten Mal selbst beten und ehrlich ihr Herz für Gott öffnen, das ist einfach großartig!
Bei mir selbst ärgert mich am meisten, wenn ich mich zu irgendeiner unbedachten Reaktion oder Entscheidung habe herausfordern lassen. Bei anderen (und auch bei mir selbst) ärgert mich der Hang, Menschen zu be- oder sogar zu verurteilen, anstatt sie mit den Augen Gottes zu sehen. 

Welche Visionen, für dein Berufs- und Privatleben, hast du? In einer immer kälter und liebloser werdenden Welt möchte ich daran mitwirken, dass unsere Gemeinde ein Lebensraum ist und mehr und mehr wird, wo erschöpfte und verletzte Menschen (und auch ich selbst) Schutz finden und atmen können. Ich möchte nicht nur von der Liebe Gottes reden, sondern sie auch mit anderen teilen und erleben.
Mit der Gemeinde in der Friedenskirche möchte ich noch mehr Möglichkeiten entdecken und nutzen, in unsere Umgebung und die Stadt Lübeck hineinzuwirken.

Und ich möchte weiter mithelfen, dass die vielen geflüchteten Menschen, von denen eine Reihe Christen geworden sind und auch in unserer Gemeinde Zuflucht gefunden haben, sich irgendwann wirklich heimisch bei uns fühlen. 
Persönlich möchte ich noch einmal mit „alten Weggefährten“ ein musikalisches Projekt wagen.

Im Gemeindeumfeld wird häufig das Bild vom Hirten und seinen Schafen gebraucht. Sind Gemeindemenschen dumme Schafe, oder welcher Sinn steht hinter diesem Vergleich?
Dieses biblische Bild wird ja von König David in Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“, vom Propheten Hesekiel (Kapitel 34) „Weh euch, ihr Hirten!“ und später von Jesus im Johannesevangelium (Kapitel 10) „Ich bin der gute Hirte!“ verwendet. Da geht es nicht um Dummheit, sondern um die ehrliche Einsicht, dass wir Menschen immer wieder auf Führung angewiesen sind und darum auch verführbar sind. Wir haben alle mal mehr und mal weniger Fürsorge nötig und können dabei enttäuscht oder sogar ausgebeutet werden. Im Tiefsten sind wir abhängig von der Führung und Fürsorge des einzig wirklich guten Hirtens, von Gott bzw. von Jesus selbst.
Jeder, der andere führt und verantwortlich ist, für sie zu sorgen, muss sich in seinem Hirtendienst vor Gott verantworten – jeder Pastor, jede Mutter, jeder Vater, jeder Pädagoge, jeder Arbeitgeber, jeder Politiker.
Obwohl das Bild vom Hirten und den Schafen aus dem kulturellen Umfeld der Bibel kommt, beschreibt es auch heute noch in vielerlei Hinsicht treffend, worauf Führungskräfte zu achten haben!

 

Was kommt dir in den Sinn, wenn du den Begriff „Leiterschaft“ hörst? Dass es keinen segensreichen Leitungsdienst gibt ohne die Bereitschaft, an und in diesem Dienst auch zu leiden.

Wie definierst du für dich Erfolg und Misserfolg? Darauf lässt sich nicht so einfach antworten, weil ich inzwischen gelernt habe – und immer noch dabei bin –, zwischen Erfolg und Frucht zu unterscheiden. Erfolg oder Misserfolg scheinen mir oft sehr vordergründig zu sein. Frucht dagegen ist eine positive und heilsame Auswirkung mit Langzeitwirkung, die man manchmal erst viel später erkennt. Aber auf Frucht kommt es an!
Erfolg hat oft damit zu tun, dass man den eigenen Anspruch erfüllt oder die Ansprüche der anderen und dafür Applaus, Lob, Zustimmung erntet. Auf Frucht muss man dagegen manchmal geduldig und lange warten. Zugegeben: Lob und Anerkennung tun mir gut, und wenn sie ausbleiben, macht mir das auch etwas aus. Aber ich möchte immer noch mehr lernen, mich davon nicht abhängig zu machen, sondern darauf zu achten, dass ich mit Gottes Zielen und Willen in Übereinstimmung bin und Frucht wächst, auch wenn Menschen das möglicherweise zunächst einmal nicht so toll finden.

Seit über 2000 Jahren steht die Behauptung Jesu im Raum: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, es sei denn durch mich.“ Wir leben in einer Gesellschaft, in der „Wahrheit“ weithin ganz individuell definiert wird. Wie passt dieser Jesus denn da hinein?
Dass in unserer Gesellschaft inzwischen jeder weitgehend selbst darüber entscheiden kann und muss, was für ihn Wahrheit ist, liegt sicher auch daran, dass über viele Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte politische und religiöse Systeme (u.a. auch die christlichen Kirchen) meinten, anderen vorschreiben zu können, was für sie Wahrheit zu sein hat. Und sie haben versucht, diesen Anspruch mit Gewalt durchzusetzen. Das lassen sich immer weniger Menschen gefallen. Gleichzeitig ist aber eine verzweifelte Suche nach verbindlicher und tragender Wahrheit in Gange, weil viele längst merken, dass wir Menschen an Orientierungslosigkeit und Gleichgültigkeit zugrunde gehen, wenn alles gleich gültig ist. Jesus Christus, die befreiende und rettende Wahrheit in Person, kam in unsere Wirklichkeit, nicht um die Wahrheit mit Gewalt durchzusetzen, sondern um sie zu bezeugen und für sie zu sterben. Dazu sollten auch wir bereit sein: Die Wahrheit zu bezeugen und für sie einzustehen – aber nicht gegen andere, die die Wahrheit (noch) nicht erkennen können oder wollen, sondern für sie! Am Ende wird sich die Wahrheit sowieso erweisen – darauf vertraue ich!

 

Kollidiert christlicher Glaube nicht vollkommen mit z.B. dem „Antidiskriminierungsgesetz“? Ich habe manchmal das Empfinden, dass das „Antidiskriminierungsgesetz“ benutzt wird, um Menschen zu diskriminieren, die andere Überzeugungen haben und vertreten als es die politischen oder ideologischen Meinungsmacher gerne hätten. Berechtigte Kritik am Verhalten überzeugter Christen scheint es mir aber da zu geben, wo wir verunglimpfend und abfällig vom Leben und Verhalten anderer sprechen und über sie wertende Urteile abgeben. Hier wünsche ich mir für mich selbst und uns alle die Gesinnung Jesu, der den Menschen immer – sogar am Kreuz – liebevoll zugewandt war, ohne ihre Verlorenheit zu verharmlosen. Den „Sünder“ so lieben, dass Menschen es uns glauben, und den Schaden der „Sünde“ so deutlich machen, dass Menschen ihre „Sünde“ loswerden und Vergebung finden wollen – das finde ich die große Herausforderung!

Wo siehst du, aus deinen bisherigen Gemeindeerfahrungen heraus, die gravierendsten Unterschiede zu einem x-beliebigen Verein? Bitte nicht das theoretische Idealbild, sondern die realen Verhältnisse! Im Hinblick auf  organisatorische und strukturelle und auch gruppendynamische Prozesse gibt es sicher viele Parallelen. Manche Gemeinde hat ja auch die Rechtsform eines Vereins. Wir als Friedenskirche haben die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Satzung und Geschäftsordnung und Protokollen und Beschlüssen usw. Einen echten Unterschied zu anderen Organisationen scheint es mir bei christlichen Gemeinden da zu geben, wo deutlich wird, dass es um mehr geht als um die Erhaltung oder Stärkung oder Vergrößerung der Institution.
Den Menschen in einer christlichen Gemeinde muss es darum gehen, Gott zu lieben, suchende Menschen zu finden und mit Gott bekanntzumachen, die Gemeinde als Lebensraum zu gestalten, einander bei der Entfaltung des Lebens und Glaubens zu fördern und sich gemeinsam um Bedürftige zu kümmern. Wenn Organisationsstrukturen diesen Zielen dienen, dann sind sie hilfreich. Wenn sie aber zum Selbstzweck werden, läuft etwas schief. Und ich habe schon manches schief laufen sehen.

Welchen Aufgaben und Verantwortungen sollten sich wiedergeborene Christen in unserer Gesellschaft stellen? Die Bibel spricht davon, dass wir Menschen eigentlich geistlich tot (vom „Leben mit Gott“ abgeschnitten) auf die Welt kommen. Darum müssen wir „wieder“, d.h. noch einmal “geboren“ werden – und zwar hier schon und nicht erst nach dem Tod. Diese geistliche Neugeburt ist ein innerer Zerbruch und Neuanfang, den der Heilige Geist bewirkt. Erst dann leben wir, wie Gott es gedacht hatte – versöhnt mit ihm und als seine Kinder.
Es ist ja eigentlich ein alarmierendes Zeichen, dass man die Bezeichnung „Christ“ inzwischen noch näher definieren muss, um deutlich zu machen, dass es einem nicht um eine kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit geht, sondern um ein Leben in persönlicher Beziehung zu Jesus Christus. Das, finde ich, ist die größte Aufgabe und Verantwortung: Dass Menschen an uns Christen nicht nur sehen, wie wir uns in Veranstaltungen verhalten, sondern dass sie an unserem Leben und Verhalten im Alltag – in Beruf, Freizeit, Freundeskreis, Nachbarschaft, Familie – entdecken, dass wir eine lebendige Beziehung zu Jesus haben und nicht nur ab und zu von ihm reden, sondern ihn lieben und ihm wirklich vertrauen! Darum sollten Christen die Gemeinde nicht als Flucht vor dem grauen Alltag verstehen und sich aus möglichst allem heraushalten, sondern sollten in der Gemeinde Zuflucht finden, um neu ausgerüstet und motiviert in den grauen Alltag hinein die Farbe der Wirklichkeit Gottes zu bringen, wo immer das möglich ist! 

Wenn ich mit meinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden und glücklich bin, wozu brauche ich denn da überhaupt Jesus? Ist der nicht nur ein Trostpflaster für gescheiterte Existenzen? „Wenn ich mit meinem Leben im Großen und Ganzen zufrieden und glücklich bin…“ – Womit habe ich das verdient, wem danke ich dafür, wozu verpflichtet mich all das Gute, das ich erlebe? Auch das Nachdenken über solche Anschlussfragen kann einen Menschen zum Fragen nach Gott und zur Einsicht bringen, dass er die Güte Gottes bisher als selbstverständlich angesehen hat und dass das auch Schuld vor Gott ist, von der es umzukehren gilt und für die Vergebung nötig ist. Es sind nicht immer nur Krisen, die Menschen zum Nachdenken und zu einer Lebenswende verhelfen. Manchmal ist es auch das Staunen über Gottes Güte!